14 de março de 2008
Beethovens Briefe an die unsterbliche Geliebte

Am 6ten Juli Morgends.
Mein Engel, mein alles, mein Ich - nur einige Worte heute, und
zwar mit Blejstift (mit deinem) - erst bis morgen ist meine
Wohnung sicher bestimmt, welcher Nichtswürdiger Zeitverderb in
d.g. - warum dieser tiefe Gram, wo die Nothwendigkeit spricht -
Kann unsre Liebe anders bestehn als durch Aufopferungen, durch
nicht alles verlangen, Kannst du es ändern, dass du nicht ganz
mein, ich nicht ganz dein bin - Ach Gott blick in die schöne
Natur und beruhige dein Gemüth über das müssende - die Liebe
fordert alles und ganz mit Recht so ist es mir mit dir, dir mit
mir - nur vergisst du so leicht, dass ich für mich und für dich
leben muss, wären wir ganz vereinigt, du würdest dieses
schmerzliche eben so wenig als ich empfinden - meine Reise war
schrecklich ich kam erst Morgens 4 Uhr gestern hier an, da es an
Pferde mangelte, wählte die Post eine andre Reiseroute, aber
welch schrecklicher Weg, auf der vorletzten Station warnte man
mich bey nacht zu fahren, machte mich einen Wald fürchten aber
das Reizte mich nur - und ich hatte Unrecht, der Wagen muste
bey dem schrecklichen Wege brechen, Grundloss, blosser Landweg,
ohne 2 solche Postillione, wie ich hatte, wäre ich liegen
geblieben Unterwegs - Esterhazi hatte auf dem andern
gewöhnlichen Wege hierin dasselbe schicksaal mit 8 Pferden, was
ich mit vier.- Jedoch hatte ich zum theil wieder vergnügen, wie
immer, wenn ich was glücklich überstehe.- nun geschwind zum
innern vom aüssern, wir werden unss wohl bald sehn, auch
heute kann ich dir meine Bemerkungen nicht mittheilen, welche
ich während dieser einigen Tage über mein Leben machte - wären
unsre Herzen immer dichtan einander, ich machte wohl keine d.g.
die Brust ist voll dir viel zu sagen - Ach - Es gibt Momente, wo
ich finde dass die sprache nog gar nichts ist - erheitre dich -
bleibe mein treuer einziger schatz, mein alles, wie ich dir das
übrige müssen die Götter schicken, was für unss seyn muss und
seyn soll. - dein treuer
ludwig.-
Abends Montags am 6ten Juli -
Du leidest du mein theuerstes Wesen - eben jezt nehme ich wahr
dass die Briefe in aller Frühe aufgegeben werden müssen. Montags
- Donnertags - die einzigen Täge wo die Post von hier nach K.
geht - du leidest - Ach, wo ich bin, bist du mit mir, mit mir
und dir rede ich mache dass ich mit dir leben kann, welches
Leben!!!! so!!!! ohne dich - Verfolgt von der Güte der
Menschen hier und da, die ich meyne - eben so wenig verdienen zu
wollen, als sie zu verdienen - Demuth des Menschen gegen den
Menschen - sie schmerzt mich - und wenn ich mich im Zusammenhang
des Universums betrachte, was bin ich und was ist der - der man
den grössten nennt - und doch - ist wieder hierin das Göttliche
des Menschen - ich weine wenn ich denke dass du erst wahrscheinlich
Sonnabends die erste Nachricht von mir erhältst - wie du mich
auch liebst - stärker liebe ich dich doch - doch nie verberge
dich vor mir - Gute Nacht - als Badender muss ich schlafen gehn
- Ach gott - so nah! so weit! ist es nicht ein wahres
Himmels-Gebäude unsre Liebe - aber auch so fest, wie die Veste
des Himmels.-
Guten Morgen am 7ten Juli -
schon im Bette drängen sich die Ideen zu mir dir meine
Unsterbliche Geliebte, hier und da freudig, dann wieder traurig,
vom Schicksaale abwartend, ob es unss erhört - leben kann ich
entweder ganz gar mit dir oder gar nicht, ja ich habe
beschlossen in der Ferne so lange herum zu irren, bis ich in
deine Arme fliegen kann, und mich ganz heymathlich bey dir nennen
kann, meine Seele von dir umgeben in’s Reich der Geister
schicken kann - ja leider muss es seyn - du wirst dich fassen um
so mehr, da du meine Treue gegen dich kennst, nie eine andre
kann mein Herz besizen, nie - nie - O Gott warum sich entfernen
müssen, was man so liebt, und doch ist mein Leben in V. so wie
jezt ein kümmerliches Leben - Deine Liebe macht mich zum
glücklichsten und zum unglücklichsten zugleich - in meinen
Jahren jezt bedürfte ich einiger Einförmigkeit Gleichheit des
Lebens - kann diese bey unserm Verhältnisse bestehn? - Engel,
eben erfahre ich, dass die Post alle Tage abgeht - und ich muss
daher schliessen, damit du den B. gleich erhältst - sey ruhig,
nur durch Ruhiges beschauen unsres Daseins können wir unsern
Zweck zusammen zu leben erreichen - sey ruhig - liebe mich -
heute - gestern - Welche Sehnsucht mit Thränen nach dir - dir -
dir - mein Leben - mein alles - leb wohl - o liebe mich fort -
verken nie das treuste Herz deines Geliebten
L.
ewig dein
ewig mein
ewig unss
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